über "Frühe Bilder" und darüber "wie es im Leben weitergeht"


Ich steige mal direkt ins Thema ein: Ich vermute in deiner neuen Arbeit geht es wieder um Köpfe? Nach den schwarzen, den flachen, den sich zersetzenden, den nachts überwachten Köpfen, jetzt Köpfe weiß in weiß?

Keineswegs. du übersiehst, dass es mir in den Serien immer auch um etwas anderes ging. du redest jetzt vom formalen Reiz der Oberflächen. In den "Frühen Bildern" zum Beispiel, geht es aber vor allem um Zeit, um die Frage, ob es ein Bild mit einem Kopf geben kann, auf dem sich alles modische, alles was Status bedeutet, ausschalten lässt. Die letzte große Arbeit waren die "Einschlafrituale". In der Folge daraus ist das kleine "EinschlafritualeBuch" entstanden. Das deutet in etwa an wo es hingehen kann. Mich interessiert der Aspekt minimaler Verschiebung.

Du meinst: »Der Zeichner hat in diesen beiden Bildern 8 Fehler versteckt, finde sie.«

Nicht unbedingt. Es geht vielmehr um die Imagination der Bilder dazwischen.

Aber du möchtest wieder mit Köpfen arbeiten?

Die werden auch wieder auftauchen, aber auch Gegenstände. Vor fünf, sechs Jahren habe ich mich ausschließlich mit Gegenständen beschäftigt. Ich denke, die neue Arbeit wird assoziativer. Enthält Verbindungen, an die ich mich bisher nicht getraut hätte.

Was heißt: »ich denke …«? Hast Du denn keine klare Vorstellung von deiner nächsten Arbeit?
Wenn ich die hätte, würde ich mich nicht um ein Stipendium bewerben, sondern mit der Umsetzung beginnen. –Nicht die technische Ausführung raubt dir die Zeit. Manchmal wünschte ich mir ein Becher-Schüler geworden zu sein. Da wäre alles so klar. Das formale Konzept stünde, ich müsste nur mein Genre gefunden haben, um mich daran abzuarbeiten.

Verschone mich mit Deinen Becher Hasstiraden. Ganz so einfach ist das auch nicht. Erzähle mir lieber mehr über die neue Arbeit.

Sie wird nicht farbig. Du weißt, dass ich als Melancholiker eher zu den dunkleren Tönen neige. Sie wird nicht sichtbar-inszeniert sein. Sie wird formal wohl auch nicht so streng daher kommen, wie meine älteren Arbeiten, es wird verschiedene Formate geben, vielleicht auch wieder mehrteilige Bilder.

Wird es "pure" Fotografie sein?

Das weiß ich noch nicht. Das ist ja auch eher sekundär. Für meine Bilder ist es nicht vordergründig wichtig, wie sie entstehen. Die "Einschlafrituale" sind den Weg von der Infrarot-Videokamera über den Computer auf den Silberfilm und das Fotopapier gegangen. Das ist nett zu wissen, hilft aber auch nicht wirklich weiter.

Wieso negierst du den technischen Aspekt so sehr? Du warst doch an einer Medienhochschule.

Negieren ist das falsche Wort. Vielleicht nehme ich der Technik gegenüber eine skeptische Haltung ein, weil ich an einer Kunsthochschule für Medien war. Zuviele dort haben blindes Vertrauen in die Technik. Ich möchte meine "klassische" Grundschule nicht missen.

Was bleibt, sind die Bilder?

Ich kann mich jedenfalls noch nicht vom Bildermachen verabschieden.

Schönes Schlusswort.