über "Einschlafrituale"


Wach’ ich oder träum’ ich?


Wenn du das auf die Bilder hier im Buch beziehst, so ist das ein Zustand irgendwo dazwischen.
Die Bilder dokumentieren die erste Stunde meines Schlafs.

Die hast du gefilmt?

Ja, auf Videomaterial. Das Schöne daran ist, dass Videokameras auch auf Frequenzen reagieren, die du gar nicht mit dem Auge wahrnehmen kannst. Ich habe Infrarotlampen gebaut, die mein Schlafzimmer erhellen, ohne dass man es merkt.

Warum sind die Bilder dann so düster?

Weil ich so ein düsterer Typ bin (lacht). Ein Kurator hat mich zum erstenmal gesehen und gesagt: »gleiche düstere Erscheinung wie auf den Bildern …«

Stimmt das?

Ich habe auch schon gehört, ich solle mich mit dieser Fresse beim Film bewerben.

Dreht sich denn alles nur um deine Fresse?

Diesmal schon. Für mich ist das wichtig, erstmals selber zu agieren, nachdem ich immer mit anderen gearbeitet habe.

Agieren?

Eigentlich ja nicht. Die Kamera nehme ich ja gar nicht mehr war, wenn ich erstmal schlafe …

… die Bilder haben aber manchmal etwas inszeniertes, bühnenhaftes.

Eigenartigerweise. Indem die einzelnen Frames aus dem Film angehalten werden, wird die banale Drehung zur absurden Verrenkung.

Die Bilder im Buch funktionieren als Doppelseiten?

Die erste Arbeit war als vielteilige Sequenz angelegt. In der neuen sind es Diptychen.

Und sie sind doch wieder dunkler geworden.

Ja.

Kannst du dir die Arbeit auch als Video vorstellen?

Damit probiere ich gerade ‘rum. Vielleicht gibt es eine Videoinstallation, bei der die im Schlaf Observierten in der Installation wieder getrennt werden: eine Beobachtung von Aktion—Reaktion.

Lothspeich goes Video?

Was mich oft davon abhält, ist die "nicht-Ausstellbarkeit" der Arbeiten. Neulich habe ich »Children
of Berlin« in Essen gesehen. Da pfuscht jede Arbeit in die nächste hinein. Du hörst immer alle Arbeiten gleichzeitig. Außerdem muß man immer stehen.

Das ist dir zu unbequem?

Nein, aber das schränkt die Wahrnehmung ein. Außerdem muß man immer bis zum Ende bleiben. Langweiligen Fotos kann man sich schneller entziehen.

Jetzt kommt wieder eine deiner Hasstiraden auf die Becher-Enkel …

Wollte ich eigentlich gar nicht. Was Struffskys gerade machen, stört mich nicht so sehr. Ich ärgere mich nur immer über die entsprechenden Kuratoren, Galeristen etc. Deshalb schreibe ich jetzt vielleicht in meine Vita: »studierte von 1994-97 nicht bei Bernd und Hilla Becher«

Ich würde mir auch keinen schlafenden Lothspeich in die Schalterhalle hängen. Bezeichnest du alles als langweilig, was mit der Wirklichkeit zu tun hat?

Nein, bestimmt nicht. Schlaf hat ja wohl mit Wirklichkeit zu tun. Und ich bin ja nicht mit irgendwelchen artifiziellen Dingen zugange, sondern mit etwas, das mir ganz nah ist.

Aber bei »BIG BROTHER« kann man auch jeden beim Schlafen beobachten.

Das ist reiner Voyeurismus. Da passiert nichts mehr.

Was sollen denn eigentlich die Blumen im Buch?

Ich hab’ gewusst, dass du fragst. Was ist, wenn ich sage, ich fände sie einfach schön.

Das wäre mir zu einfach.

Ich werde jetzt nicht anfangen etwas von "patterns", von Banalität, von Reihung oder Beliebigkeit zu faseln …

Danke Dir für die ausführlichen Erläuterungen