über "Tunnelungen" und Zersetzungsprozesse


Tunnelungen?

Ein neues, gigantisches Bildtableau aus vierzig Teilen.

Wo kommt der Tunnel her?

Auf Umwegen als Bild an die Wand.
Im letzten Sommer waren wir auf dem Weg nach Italien, und haben uns etwas mehr Zeit gelassen in der Schweiz …

… diesem seltsamen Transitstaat auf dem Weg in den Süden …

Ja, genau. Die Schweiz ist ja eigentlich der "Tunnel" nach Italien. Du fährst durch dieses saubere Land und kommst hinten wieder raus …

Die meisten Tunnel sehen aber anders aus?

Dieser Tunnel liegt am Ende eines Tals hinter Vals. Danach kommt nur noch ein Stausee und das Auto mußt du stehen lassen. Dieser Tunnel hat mich angelacht, weil er als Tunnel so präsent war. Nicht glatt, sondern aus dem Berg herausgeschnitten.

Fotografiert hast du den Tunnel aber nicht ?

Nein, das sind digitale Videobilder. Auch die sind ja normalerweile unglaublich glatt. Wenn dann aber das Licht nicht mehr ausreicht, versagt die Kamera aufs vortrefflichste. Wenn die Bilder dann noch sehr groß werden, sind sie genauso zersetzt wie der Berg …

Du treibst das Zersetzen aber noch auf die Spitze.

Ja am Ende interpoliere ich die Bilddaten, bewege mich nicht mehr durch den Tunnel, sondern ins Bild …

Mit einem eigenartigen Ergebnis …

Das Bild löst sich auf, entmaterialisiert sich, wird immer malerischer, poetischer, offener.

Ist das nicht gefährlich, wenn die Fotografie ins malerische abdriftet?

Wenn das zum Selbstzweck wird schon. Gegenfrage: Ist das nicht gefährlich, wenn die Fotografie ins Fotografische abdriftet?

Wenn das zum Selbstzweck wird schon.

Sehr gut. Die Tendenz ist doch überall vorhanden, wo "Fotokunst" heute gezeigt wird. Mich interessiert das aber gar nicht, diese Art von Abgrenzung ist mir unwichtig. Auch die ganze Diskussion um "Schule": "BecherSchule, "RuffSchule", "StruthSchule" und "StruffskySchule"! - Genrefotografie.

Harte Worte. Brauchst du ein Feindbild?
Ist das Thema "Poesie" nicht "durch"?


Wenn man das heute sagt, läuft man Gefahr als Reaktionär beschimpft zu werden. Schlimm, wenn die Kunst nicht mehr mit Poesie in Verbindung gebracht werden darf. Mehr sage ich dazu nicht, ich habe ohnehin schon vielzuviel gesagt …